Gesichter des Postgraduate Center
Tamara Schmidt: Absolventin des Programms „Diversitätskompetenz“
Tamara Schmidt ist Absolventin des Zertifikatsprogramms „Diversitätskompetenz“. Sie arbeitet als Referentin für Chancengleichheit und Diversität in der Forschungsförderung und stellte beim heurigen Berufsbildertag ihr Berufsbild vor, das sich durch ein Zusammenspiel ihrer Tätigkeiten in der Stabsstelle für Chancengleichheit und Diversität in der Forschungsförderung sowie in der Abteilung Grant Audit auszeichnet.
Wie man von der Botanik in die Diversitätsförderung gelangt und warum Umwege oft die besten Karrierebeschleuniger sind, erzählte sie auf der Bühne des uniport-Berufsbildertags am 11. Juni.
Für alle, die nicht dabei sein konnten, haben wir das Gespräch als Nachlese zusammengefasst.
1) Welche Ausbildung haben Sie absolviert und war diese Ausbildung für die Ausübung des Berufsbildes erforderlich?
Ja und nein.
Für die Stelle war ein Studienabschluss erforderlich, wobei dieser nicht zwingend fachspezifisch sein musste. Ich verfüge über einen wirtschaftlichen (HAK) und einen naturwissenschaftlichen Ausbildungshintergrund und habe einen Masterabschluss in Botanik. Darüber hinaus habe ich im vergangenen Jahr das Zertifikatsprogramm „Diversitätskompetenz“ am Postgraduate Center der Universität Wien erfolgreich absolviert. Im Rahmen dieser Weiterbildung konnte ich mein Fachwissen vertiefen, neue Perspektiven gewinnen und meine Kompetenzen gezielt weiterentwickeln.
2) Seit wann üben Sie dieses Berufsbild aus und welche Aufgaben sind damit in Ihrem Alltag verbunden?
Ich arbeite seit drei Jahren beim Österreichischen Wissenschaftsfonds (FWF) in der Abteilung Grant Audit und seit etwas mehr als einem Jahr zusätzlich in der Stabsstelle für Chancengleichheit und Diversität in der Forschungsförderung. Mein Berufsbild zeichnet sich also durch ein Zusammenspiel dieser beiden Tätigkeitsbereiche aus. Der Arbeitsalltag in der Stabsstelle besteht daraus:
- Fragen von Antragsteller*innen/Forscher*innen/Kolleg*innen betreffend der Gleichstellungsmaßnahmen zu beantworten.
- Beratung von Antragsteller*innen zum Thema Gleichstellung, Diversität und Frauenförderung.
- Umgang mit Meldungen/Berichten von Diskriminierung und Belästigung in geförderten Projekten.
- Austausch zu laufenden Aktivitäten und Gleichstellungsthemen mit Kolleg*innen innerhalb des FWF, sowie extern mit anderen Forschungsförder- und Forschungseinrichtungen.
- Entwicklung neuer Richtlinien & Leitfäden (in enger interner Abstimmung mit Kolleg*innen und Geschäftsleitung)
- Sensibilisierung und Wissensvermittlung
3) Welche Kompetenzen sind zur Ausübung dieses Berufsbildes erforderlich (z.B. Fach-, Sozial-, Methoden-, Individuelle-Kompetenz)?
Theoretische Grundlagen zu Gender, Diversität, Antidiskriminierung, Intersektionalität und Bias.
Vertiefendes Wissen zu Themen der Forschungsförderung, zu den rechtlichen Rahmenbedingungen und Wissen über strukturelle Ungleichheiten im Wissenschaftssystem.
Kommunikationsfähigkeit, Konfliktfähigkeit, Lösungsorientiertheit, Bewusstsein für Ethik und soziale Verantwortung, Analytisches Denken.
4) Welche Persönlichkeitsmerkmale unterstützen das Arbeiten in Ihrem Berufsbild?
Empathie, Gewissenhaftigkeit, Kooperationsbereitschaft, Flexibilität, Resilienz.
5) Welche Rahmenbedingungen des Arbeitens sind mit Ihrem Berufsbild verbunden (Arbeitszeit, Führungsverantwortung, Budgetverantwortung, Internationalität/Reise-Tätigkeit/unterschiedliche Sprachen/Zeitzonen, Indoor- Outdoor-Tätigkeiten, wissenschaftlicher Austausch, Weiterbildung, etc.)?
Enge abteilungsübergreifende Zusammenarbeit mit Kolleg*innen organisationsintern, sowie fachlicher Austausch mit Kolleg*innen aus anderen Forschungsförder- und Forschungseinrichtungen und dem zuständigen Ministerium (BMFWF). Teilnahme an Veranstaltungen, Networking, Mitwirkung in themenspezifischen Arbeitsgruppen.
6) Was sind aus Ihrer Sicht die positiven Seiten des Berufsbildes?
Ich empfinde meine Tätigkeit als sinnstiftend, schätze den regelmäßigen Austausch mit Kolleg*innen - über Organisationsgrenzen hinweg - und genieße es, dass ich mich in meinem Arbeitsalltag vor allem in Räumen aufhalten darf, in denen sich zahlreiche Mitstreiter*innen befinden.
7) Was sind aus Ihrer Sicht die negativen Seiten des Berufsbildes?
Wenn man sich für Chancengleichheit, Diversität und gerechte Teilhabe einsetzt, dann gibt es keinen Punkt an dem man sagen kann, jetzt ist man fertig. Bei allem handelt es sich immer um den bestmöglichen Kompromiss zu diesem speziellen Zeitpunkt.
8) An welchen beruflichen Erfolg erinnern Sie sich immer wieder gerne zurück?
Ich erlebe es als beruflichen Erfolg, dass es mir gelungen ist, mich in diesen Bereich einzuarbeiten und mir ein Berufsbild geschaffen habe, in dem ich mein Wissen und meine Fähigkeiten wirkungsvoll einbringen kann und dass ich als sehr sinnstiftend empfinde.
9) Welche Empfehlungen können Sie jemandem geben, der in das besprochene Berufsbild erfolgreich einsteigen möchte?
Nicht verzagen, wenn ihr nicht gleich die passende Stellenausschreibung findet. Oftmals muss man sich erst in eine Organisation einarbeiten, sich mit den vorhandenen Strukturen vertraut machen, um dann innerhalb dieser Organisation im Bereich Chancengleichheit mitwirken zu können.
Traut euch auch eine Stelle in einer Abteilung anzunehmen, die noch nicht ganz eurem Wunschberuf entspricht und arbeitet euch innerhalb dieser Organisation weiter. Nutzt die Chancen die sich ergeben. Seid engagiert und zeigt, welche Themen euch wichtig sind.
Ein Karriereweg muss nicht geradlinig verlaufen, um zielgerichtet zu sein. Im Gegenteil: Oft entstehen gerade durch unterschiedliche Erfahrungen neue Perspektiven und berufliche Möglichkeiten.