Gesichter des Postgraduate Center
Marcus Täuber: Lehrender im Programm "Mentaltrainer*in"
Das nächste Gesicht in unserer Rubrik „Gesichter des Postgraduate Center“ ist Marcus Täuber, Lehrender im USI-Programm „Mentaltrainer*in mit Schwerpunkt Entspannungsverfahren“.
Täuber ist promovierter Neurobiologe, Bestsellerautor und arbeitet als psychologischer Coach. Er hilft Menschen dabei, mehr mentale Stärke aufzubauen.
Im Modul, das Täuber lehrt, beschäftigen sich die Teilnehmer*innen mit den neurobiologischen Grundlagen des Mentaltrainings und schaffen so ein starkes Fundament für ein wissenschaftlich fundiertes Mentaltraining.
Im Interview spricht Marcus Täuber über mentale Stärke, den Umgang mit Stress und seine Lehrtätigkeit. Dabei gibt er Einblicke in seine Arbeit und zeigt auf, welche Bedeutung wissenschaftlich fundiertes Mentaltraining in der Praxis hat.
-
1. Was verbindet Sie persönlich mit dem Zertifikatsprogramm „Mentaltrainer“ – und warum engagieren Sie sich als Lehrender gerade in diesem Programm?
Ich war zwölf Jahre alt, als ich zum ersten Mal Autogenes Training ausprobierte – aus einem Buch im Regal daheim. Ich legte mich im Badezimmer hin und sagte mir vor, dass meine Hände warm werden. Und sie wurden tatsächlich warm. Ich fragte mich: Wenn das geht, was ist sonst noch möglich? Diese Erfahrung hat mich nie mehr losgelassen – von der Neurobiologie über meine Forschung zu Angst bis hin zu meiner heutigen Arbeit als Mentalcoach.
Am Zertifikatsprogramm begeistert mich besonders, dass hier Menschen mit ganz unterschiedlichen beruflichen Hintergründen zusammenkommen, die eines verbindet: Sie wollen verstehen, wie mentales Training wirkt – und wie sie dies für sich und andere nutzen können. In Zeiten, in denen die Welt Kopf steht, sind psychologische Prävention und Persönlichkeitsentwicklung, so bedeutsam für uns wie die tägliche Körperpflege.
-
2. Welche Grundhaltung und wissenschaftlichen Erkenntnisse leiten Ihre Arbeit als Mentaltrainer, und wie schlagen Sie die Brücke zwischen Evidenz und Praxis?
Der Markt für mentales Training ist voller Begriffe, die modern klingen, deren wissenschaftliche Grundlage aber oft unklar bleibt. Mir ist wichtig, dass jede Methode auf nachvollziehbarer Evidenz basiert.
Eine der wichtigsten Erkenntnisse der modernen Neurowissenschaft ist die Neuroplastizität – also die Fähigkeit des Gehirns, sich durch Erfahrung kontinuierlich zu verändern. Und jetzt kommts: Es muss keine echte Erfahrung sein, die Vorstellung im Kopf alleine reicht, das Gehirn strukturell und funktionell neu zu formen.
Die Brücke zur Praxis schlage ich, indem ich jede Methode auf ihren Wirkmechanismus zurückführe. Die Teilnehmerinnen sollen eine Übung nicht nur anwenden können, sondern auch verstehen und erklären können, warum sie wirkt. Dieses Verständnis schafft Sicherheit – sowohl für die eigene Anwendung als auch später in der Arbeit mit Klient*innen.
-
3. Welche zentralen Inhalte und Methoden erwarten die Teilnehmer*innen, und wie stellen Sie sicher, dass diese unmittelbar im Berufs- und Lebensalltag anwendbar sind?
In meinem Modul beschäftigen wir uns mit den neurobiologischen Grundlagen des Mentaltrainings. Dazu gehören unter anderem Aufbau und Funktion des Gehirns, das Zusammenspiel von Gehirn und vegetativem Nervensystem sowie die Mechanismen zielgerichteter Neuroplastizität. Diese Inhalte bilden das Fundament für ein wissenschaftlich fundiertes Mentaltraining.
Darauf aufbauend arbeiten wir mit praxiserprobten Methoden zur Regulation von Stressreaktionen, zur Veränderung belastender emotionaler Muster sowie zur gezielten Aktivierung ressourcenreicher mentaler Zustände. Dabei ist mir besonders wichtig, dass Theorie und Praxis unmittelbar ineinandergreifen. Die Teilnehmer*innen erleben jede Methode zunächst an sich selbst, reflektieren ihre Wirkung und übertragen sie anschließend auf unterschiedliche private wie berufliche Kontexte.
-
4. Welche Veränderungen beobachten Sie typischerweise bei Teilnehmer*innen während des Programms? Gibt es ein Beispiel oder Aha-Erlebnis, das Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?
Das Zertifikatsprogramm löst bei vielen einen Prozess des persönlichen Entwicklungsschubs aus. Dabei können persönliche Themen hochkommen oder neue Weichen im Leben gestellt werden.
Besonders in Erinnerung geblieben ist mir eine Teilnehmerin, die viele Jahre unter starker Prüfungsangst gelitten hatte. Während einer Live-Demonstration erlebte sie, wie sich ihre körperliche Stressreaktion durch eine gezielte mentale Technik innerhalb weniger Minuten deutlich beruhigte. Danach sagte sie: „Das hätte ich vor zwanzig Jahren wissen müssen.“
Solche Momente zeigen eindrucksvoll, dass wissenschaftlich fundiertes Mentaltraining weit mehr ist als Motivation oder positives Denken – es eröffnet Menschen neue Handlungsspielräume.
-
5. Welchen einen konkreten Tipp für mentales Training würden Sie unseren Studierenden und Alumni für stressige Phasen mitgeben?
Versuchen Sie nicht, Stress mit Willenskraft zu bekämpfen. Regulieren Sie lieber Ihr Nervensystem.
Eine der einfachsten und gleichzeitig am besten untersuchten Methoden ist das physiologische Seufzen. Dabei wird in zwei Etappen durch die Nase eingeatmet, und dann mit einer bewussten Verlängerung langsam durch den Mund ausgeatmet. Bereits nach ein bis zwei Minuten kann dies die Aktivität des parasympathischen Nervensystems unterstützen und die physiologische Stressreaktion spürbar reduzieren.
In Phasen starker negativer Emotionen lohnt es sich, gedanklich rauszuschlüpfen, und die Gefühlsregung wie von außen zu beobachten. Was passiert gerade wo? Einfach nur beobachten. In der Regel ebbt das Gefühl rasch wieder ab, wenn wir es nicht bekämpfen.
Wer einen einfachen Einstieg ins mentale Training möchte, kann ich die von mir entwickelte Brain Changer App ans Herz legen. Sie ist für iOS und Google verfügbar.